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Bei uns Menschen kann es Fülle des Lebens geben: Dazu gehört auch Lebensfreude. Leider ist Armut, auch geistige Armut, bei uns Menschen noch sehr verbreitet. Trotz unserer Verschiedenheiten gibt es bei der Ausstattung unseres Lebens bedeutsame Gemeinsamkeiten wie die allgemeine Begabung, der Lebenswillen, die Lernfähigkeit. Das ist auch eine geeignete Orientierung für unsere Bildung. Eine überzeugende Begründung, warum wir alle humane Bildung brauchen, ist möglich ohne Informationsflut an Bildungstheorien: Aus unsere Begabung entstehen durch Lernen unsere Fähigkeiten. Ohne die Möglichkeiten des Lernens verkümmert unsere Begabung. In unserem egozentrischen Naturzustand entsteht ohne Lernen oder bei mangelhafter humaner Bildung ein Gegeneinander der Selbsterhaltung, des naturhaften Existierens. Das ist doch ein Minimum im menschlichen Leben: mehr oder minder bloß existieren. Oder entspricht das ausreichend unserem Lebenswillen? Wahrscheinlich kommt dabei unsere Begabung für das geistige Leben zu kurz.

Dieser Mangel, dieses Minimum im menschlichen Leben verringert die Lebensfreude. Der Mangel an geistigem Leben ist ein Minimum bei uns Menschen, in dem viele arm sind, sozial arm und arm an Lebensfreude. Bei anderen Lebewesen gibt es unsere Armut nicht. In einer für sie geeigneten Umwelt entwickeln sich ihre Begabungen, ihre Lebensmöglichkeiten wie von selbst. Was sie dabei zu lernen haben, ergibt sich auch wie von selbst bei ihrer Art.
Anscheinend war die Menschengeschichte in einer langen Vorgeschichte mehr Naturgeschichte als Kulturgeschichte. Offensichtlich konnten die Menschen in dem überwiegenden Naturzustand unserer Vorgeschichte schon lernen - auch für das überwiegende Existieren. Vielleicht gab es lange Zeit mehr oder minder das bloße naturhafte Existieren. War das etwa unser Start im naturhaften Minimum? Rückblickend erscheint unsere Vorgeschichte wie naturhaftes Minimum. Kann es auch jetzt noch den überwiegenden naturhaften Zustand im vorkulturellen Minimum geben?

Unsere Geschichte war schon vor uns lange Zeit auch Kulturgeschichte. Im Vergleich zeigt sich in unserer Kulturgeschichte aus verschiedenen Richtungen ein Suchen nach Wegen heraus aus dem Minimum des bloßen und dürftigen Existierens. Nach und nach kommt das Suchen beim Lernen an, beim geistigen Leben, beim humanen Leben, bei der Lebensfreude an. Ist das unser Weg aus unserer Vorgeschichte als Naturgeschichte zu mehr Fülle des Lebens als Kulturgeschichte? Selbst unser Wirken in der Natur wurde mehr und mehr zur Kultur. Eigentlich gehört das schon im Begriff von Anfang an zusammen: Feldbau, Bodenbewirtschaftung (unser Wirken in der Natur: Bodenkultur) und Pflege der geistigen Güter (Geisteskultur).
In der neuren Zeit beurteilte man und behandelte man Kultur, zumal Geisteskultur, als Überbau in unserer Geschichte. Das ist zu wenig! Nach und nach kommen wir jetzt auch zur humanen Kultur, auch zur Kultur der humanen Liebe. Damit überwinden wir das Minimum des bloßen Existierens und die Verarmung im Gegeneinander. In diesem Minimum fehlt uns vieles, was wir für ein menschenfreundliches Leben brauchen. Wenn wir jetzt wieder in das Minimum des mehr naturhaften oder des bloßen Existierens geraten, verarmen wir geistig und human.

Humane Kultur, Kultur als geistiges Leben, Kultur der Liebe brauchen wir für ein menschenfreundliches Leben. Zu uns Menschen gehört Fülle des Lebens. Das wurde uns Menschen schon lange zugesprochen: Humane Kultur, Kultur der Liebe dabei verwirklicht sich viel von der Fülle des Lebens.