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Ist Rechtschreibung ein unberührbares Heiligtum? Wo es so behandelt wird, sollte man darüber nachdenken, mit welcher Verschiedenheit Rechtschreibung entstand und welche schwer erklärbare Verschiedenheit der Rechtschreibung es von Sprache zu Sprache gibt.
Wer das Glück hat mehrere Sprachen zu lernen, kann erleben, welche überraschende Möglichkeit der Vereinfachung es beim Schreiben der Sprache geben kann. Andererseits erlebt man bei dem Vergleich in verschiedenen Sprachen, wie viel unnötige Schwierigkeit, unnötige Komplikation beim Schreiben der Sprache hartnäckig erhalten bleibt. Wie viel Lernen wird dabei erschwert und wie viel überflüssige oder nachteilige Beurteilungen entstehen so?
Kann diese Regel für die Rechtschreibung verwirklicht werden: Schreibe wie du sprichst? In etwa amtlich ist das möglich in der serbischen Rechschreibung. Auch bei anderen Reformen mit der Rechtschreibung sollte es darum gehen. Aber anscheinend ist Vereinfachung der Rechtschreibung schwierig durch zähen Widerstand. Die frühe Orientierung in unserer Bildung an der Antike hätte wie mit dem lateinischen Alphabet auch geleitet werden können von der einfacheren lateinischen Rechtschreibung als in manchen spätern europäischen Sprachen.
In der Entwicklung von Sprache ist diese geniale Vereinfachung bewundernswert: Die Tausenden Wörter einer Sprache, ja die jeweils Tausenden Wörter der Tausenden Sprachen bestehen aus mehr oder minder fünfzig Lauten, je nach Sprache. Und ebenso genial ist es, dass man mit weniger als fünfzig Buchstaben alle Tausende Wörter von Tausenden Sprache schreiben kann. Beim „Lernen lernen“ erkennen wir, dass „kurz und einfach“ ein Weg für erfolgreiches Lernen ist. Genau so haben sich auch Sprachen mit mehr oder minder fünfzig Lauten und das Schreiben von Sprachen mit weniger als fünfzig Buchstaben entwickelt. Die Vereinfachung der Rechtschreibung kann das erfolgreiche Lernen der Sprache fördern.
Für die deutsche Rechtschreibung gibt es immer wieder Bemühungen um Vereinfachung, obwohl man deutsche Rechschreibung mit einigen Regeln und einigen Erklärungen lernen kann. Schwieriger ist die Rechtschreibung in Sprachen, wo es für einen Buchstaben verschiedene Aussprachen geben kann oder zum Beispiel, wo bei manchen Wörtern sehr oft ein stummes „e“ geschrieben wird, ohne Regel dafür, wo es oft Verdoppelung eines Buchstabe gibt. Müssen wir Rechtschreibung dafür so lernen, dass uns wir beim wiederholenden Lernen das Schriftbild der Wörter einprägen? Das Schriftbild ist ja eine Urform Schreibens. Die Urform des Schreibens können wir uns bei unserem alphabetischen Schreiben kaum noch vorstellen.
Sprachen mit schwieriger Rechtschreibung lernen wir wahrscheinlich beim wiederholenden Lernen durch Einprägung des Schriftbildes. Auch unsere Rechtschreibung gelingt uns nicht nur durch Regeln und Erklärungen, sondern auch Einprägung und Geläufigkeit des Schriftbildes.