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In der deutschen Umgangssprache und auch in anderen Sprachen ist jeder Mann ein „Herr“. Ein Diener zu sein, hat jetzt mehr eine berufliche Bedeutung. Zum Anfang des christlichen Glaubens gehört diese Einstellung für uns Menschen: DIENER STATT HERREN. Das war nicht nur der Anfang des christlichen Glaubens. Damit hat in der Menschenwelt eine andere Geschichte begonnen. Wo die Herren auch als Diener ihr Leben verwirklichen, gibt es keine „Herren“ mehr. Später wurde das immer wieder erwähnt oder verkündet. Leider blieb durch die Jahrhunderte bis unsere Zeit die Unterdrückung ganzer Völker ein Machmittel einiger wenigen „Herren“. Das sollte vor zweitausend Jahren überwunden werden. Leider haben auch in den vergangenen zweitausend Jahren die Menschen viel gelitten durch die Machtausübung der „Herren“, von Einzelnen und von Gruppen.

Inzwischen gibt es ein Fremdwort, das viele gebrauchen und verstehen: dominant. Diese Erfahrung wird anscheinend mehr und mehr gemacht, dass andere „dominant“ sind. Das bedeutet: vorherrschend, beherrschend, überlegen sein. Wie schwer das Leben dadurch bei vielen Menschen ist, kann man sich vorstellen bei der verbreiteten Klage über dominante Mitmenschen.

Warum sind Menschen dominant, nicht nur andere? Wahrscheinlich, weil wir zu wenig über uns selbst lernen. Mit dem allgemeinen egozentrischen Naturzustand sind wir anscheinend biologisch ausgestattet, damit wir uns und unsere Art versorgen und erhalten. Ist dadurch auch unser Wille biologisch so vital? Praktisch geschieht das so: Was wir wollen, das setzten wir auch durch, und wir setzten uns zuweilen dabei über manches hinweg. Machen sich Menschen so auch immer wieder zu beherrschenden, zu vorherrschenden, überlegenen „Herren“? Brauchen wir das Gebet „Dein Wille geschehe“ auch als Hilfe für unseren Willen in dem Zustand, dass „mein Wille geschehe“, dass „unser Wille geschehe“? Da wir jetzt schon beim Beten sind, kann zu unserem Thema auch dieses tägliche Gebet von jemand hilfreich sein: „Bitte um himmlischen Segen und himmlische Hilfe, dass ich lerne ein Diener zu sein.“

Viele von uns wollen keine Herren sein und sind keine Herren. Aber leider können viele von uns anhaltend oder vorübergehend dominant sein. Oder wir alle? Viel Geborgenheit, viel Lebensfreude, viel Freundschaft, viel Gutes und Schönes bei uns Menschen kann sich ergeben, wenn wir darüber und so mehr über uns selbst lernen. Bedenken wir, dass dieses Lernen mit dem Thema DIENER STATT HERREN schon vor zweitausend Jahren begonnen hat, dann müsste es darin schon viel Fortschritt in der Weltgeschichte und in den Einzelgeschichten geben.

Mit dem modernen Wort „dominant“ sind wir anscheinend noch am Anfang unserer Aufmerksamkeit für dieses Verhalten und für diese Einstellung bei uns Menschen. Wenn wir damit auch am Anfang humaner Bildung wären, würden wir dazu auch lernen miteinander mehr Lernfreude, mehr Lebensfreude und Glaubensfreude zu haben.