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Nach der so genannten historischen Rechtsschule im 19. Jahrhundert (Friedrich Carl Savigny) gehört zur Lösung eines Problems des Rechts, dass wir die Rechtsentwicklung dazu kennen. Dieses Verständnis vom Recht hatte großen Einfluss auf das Recht im 19. Jahrhundert. Wie weit gelangen wir damit in der Vergangenheit? Sind es mehr als wenige Jahrtausende, die uns geschichtliche Informationen über das Recht hinterlassen haben? Trifft es zu, dass wir vom Recht der Menschen in den meisten Jahrtausenden der Vergangenheit nichts wissen?

Der Codex Hammurapi, das Gesetzbuch König Hammurapis von Babylon,
(1728 v. Chr. – 1686) ist bis jetzt eine der ältesten Gesetzessammlungen der Welt. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden Archäologen in den Ruinen von Ninive (ehemalige Hauptstadt der Assyrer) eine große Tontafel-Bibliothek. Dabei waren auch die Abschriften der Gesetze Hammurapis. Über 1000 Jahre wurden diese alten Dokumente immer wieder kopiert. Das ist jetzt ein beliebtes Thema der Rechtsgeschichte. Auswirkungen in unserer Rechtgeschichte hat das kaum. Beginnt unserer Rechtsgeschichte etwa in der Zeit 450 v. Chr.? Beim Forum in Rom wurde damals auf zwölf Tafeln das Zwölftafelgesetz aufgestellt. Die privilegierten Patrizier hatten die Vorherrschaft in der Rechtspflege. Deshalb forderte die breitere Volksschicht der Plebejer durch geschriebenes Recht Gleichberechtigung. So kam es zur ersten Kodifikation des römischen Rechts. In den späteren Rechtsbüchern sind wesentlich Teile dieses Rechts enthalten. Schon im Zwölftafelgesetz gab es Rechtbestimmungen des Zivilrechts, der Prozessführung u.a. Manches wurde aus späteren Kommentaren rekonstruiert, weil der ursprüngliche Wortlaut nicht erhalten ist In der Geschichte sind die Römer das Volk des Rechts. Für Begriffe, in der Gliederung und in der Formulierung waren die Römer begabte intellektuelle Praktiker des Rechts. Das Römische Recht hat weitergewirkt durch die Rezeption des Römischen Rechts bei der Gliederung, der Kodifizierung und der Interpretation in unserem jetzigen Recht.
Die Verbindung der Tradition des römischen Imperiums mit der Tradition des christlichen Abendlandes begünstigte die Rezeption des Römischen Recht Ein historischer Meilenstein dieser Entwicklung ist Kaiserkrönung Karls d. Gr. im Jahre 800

Das deutsche Königtum (seit Anfang 10. Jh.) entwickelte sich durch Kaiser Otto I. zum „Imperium Romanorum et Francorum“. Mit Deutschland bildeten Italien und Burgund dieses mittelalterliche Reich. Die Idee und die Wirklichkeit des Reiches waren sowohl deutsch als auch universal. Die Bezeichnung „Römisches Reich“ gab es seit 11. Jahrhundert und seit dem Spätmittelalter die erweiterte Bezeichnung „Heiliges Römisches Reich deutscher Nation“ (eingeschränkt auf Deutschland). Dieses Erste Reich bestand bis 1806. Für die Rezeption des Römischen Rechts war es günstig, dass es sich als einigendes „Kaiserrecht“ entwickelte.
Als bleibend Auswirkung der Rezeption gab es die Entwicklung, die zur Kodifikation des BGB führte („Bürgerliches Gesetzbuch“, in Kraft seit 1.1.1900). Die historische Erneuerung wurde im 19. Jahrhundert von Friedrich Carl Savigny angeregt. Das führte auch wieder zu den römischen Rechtsquellen. Dies wurde dann zur Grundlage eines allgemeinen deutschen bürgerlichen Rechts (BGB).