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Für die Entstehung einzelner Rechtssysteme gibt es historische Erklärungen. Die Vielfalt der Rechtssysteme ist wohl genauso unerklärlich wie die Vielfalt in der Entwicklung der Sprachen. Zum Reichtum von allem Leben gehört anscheinend die Vielfalt. Rechtsvergleichung kann eine Bereicherung in unserer Bildung sein wie das Lernen einer anderen Sprache. - Ein Basis-Wissen von verschiedenen Rechtssystemen könnte für jeden von uns interessant sein und uns zum Weiterlernen ermutigen. –

Rechtvergleichung von früher bis jetzt:
1. Antike: Rechtsvergleichende Schriften gab es bei den Griechen schon um 400 bis 300 v. Chr. von Platon („Nomoi“) und seinem Schüler Aristoteles („Politik“) über Stadtstaatenverfassungen und Rechtssätze griechischer Stadtstaaten.

2 .Mittelalter: Vorwiegende Tendenz im Recht ist die Rezeption des römischen Rechts und das kanonische Recht (Kirche); Mangel an Rechtsvergleichung.

3. Neuzeit: Naturrechtslehre, Rechtsvergleichung bei Grotius, Montesquieu; Leibniz (1667): das Recht aller Völker umfassend dargestellt. Immer noch überwiegendes Interesse am römischen Recht, deshalb gab es kaum Rechtsvergleichung.
Im 19.Jahrhundert vermehrt Rechtsvergleichung bei den Vorarbeiten zum BGB; 1846: Lehrstuhl für vergleichendes Strafrecht in Paris, 1902: Lehrstuhl für Zivilrechts-Vergleichung in Paris; Heidelberg: Wolfgang Mittermaier.

4. Im 20.Jahrhundert: Rechtsvergleichung intensiviert (EU, UNO u.a.) Rechtskreise:
1 .Deutscher Rechtskreis: Deutschland, Österreich, zum Teil Schweiz, Türkei;
einige Länder in Osteuropa; Einfluss auch in Asien (Japan, Taiwan; Korea)
Kennzeichnend: Orientierung am deutschen BGB, am österreichischen ABGB, am
deutschen HGB, an der ZPO.
2. Französischer Rechtskreis: Frankreich, Luxemburg, Belgien, ehemals französische Kolonien; teilweise Italien, Spanien, Quebec.
Kennzeichnend: Orientierung am de Code civil (1804)
und am Code de commerce 1807.
3. Angloamerikanischer Rechtskreis : Common Law
Großbritannien, Neuseeland, Australien, ehemalige brit. Kolonien.
USA: Weiterentwicklung im Common Law; Supreme Court als Verfassungsgericht; föderale Struktur auch im Recht
4. Russischer Rechtskreis (Ex-UdSSR) (jetzt seit 1996 ZGB)
5. Asiatische Rechtsordnungen:
I. Variationen: aus kontinentaleuropäischem mit angloamerikanischen
Rechtskreis und eigener Tradition: Japan, VR China, Taiwan, Korea
II .VR China - teilweise Weiterentwicklung von „sozialistischem Recht“
III. Indien, Pakistan, Malaysia u. a.: Nachwirkung der englischen Rechtstradition,
plus Einfluss religiöser Tradition
6. Religiöse Rechte:
I. Islamisches Recht – Rechtsquelle: Koran (seit 632 n. Chr.)
II. Israel: Talmud, Bibel, plus angloamerikanischer Rechtkreis
III. Hindu-Recht: Quellen sind Heilige Bücher - „sastras und smritis“
IV. Katholisches Kirchenrecht: Codex iuris canonici.