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Bei der Rechtsvergleichung vom anglo-amerikanischen Rechtssystem
zum kontinentalen-europäischen Rechtssystem gibt es
zwei Hauptthemen: COMMON LAW und CASE LAW.

Common law (gemeines Recht):
Durch die Rechtsprechung entstandenes Recht der königlichen Gerichte auf Grund von Einzelfällen ist in England Common Law. Aus rückblickender Sicht bildete sich, scheinbar im Gegensatz dazu, das vom Kanzler und seinem Gericht entwickelte Recht der Billigkeit (equiti); und dazu kam selten auch noch „gesetztes Recht“ (statute law).
Case law entsteht durch die richterliche Entscheidung einzelner Fälle und durch Orientierung der Rechtsprechung an diesen Fällen (Präjudizienrecht, Präzedenzfälle). Bei diesem Fallrecht geschieht weitere Rechtsbildung nur durch die Fälle richterlicher Entscheidung. Ist demnach das Fallrecht ein Gegensatz zum „Gesetzesrecht“? In europäischen Rechtsordnungen, auch in Deutschland, ist der Hauptteil des Rechts Gesetzesrecht. Durch Gesetz entstandenes Recht ist die andere Rechtsbildung als beim Gewohnheitsrecht und beim Fallrecht (Richterrecht).

Common Law: Common Law bedeutet übersetzt „gemeines Recht“ („gemein“ = allgemein, gemeinsam). Herkunft: Vom Mittelalter (etwa 11. Jahrhundert) bis in die Neuzeit wurde als Gemeines Recht Kontinentaleuropas römisch-kanonisches Recht (kanonisch = kirchenrechtlich) gelehrt und praktiziert. Dagegen hat sich das englische Common Law weitgehend nicht in Abhängigkeit vom römisch-kanonisch orientierten Gemeinen Recht Kontinentaleuropas gebildet. Die anglo-normannischen Zeit (1066 Wilhelm der Eroberer aus der Normandie) soll der Ursprung des englischen Common Law sein. In der damaligen Zeit der verschiedenen Gewohnheitsrechte in England, als lokale Adelige rechtlich darüber verfügten, sandten die normannischen Könige reitende Richter aus, die einheitliches (common) Recht, königliches Recht praktizierten. Common Law aus dem mittelalterlichen England ist das einheitliche Recht gegen die Verschiedenheiten in den lokalen Rechtsgewohnheiten.

So entstand in England ein eigenständiges Rechtssystem gestützt auf das königliche Common Law. Dieses Rechtssystem blieb offen für Neuerungen. In Kontinentaleuropa wurde das römisch-kanonische Recht mit der Rezeption des römischen Rechts bestimmend. Aber dann hatte England schon ein eigenes Rechtssystem. In England gab es deshalb keinen Bedarf für das römisch-kanonische Recht. Dennoch ist das römisch-kanonische Gemeine Recht in Schottland angekommen.

Weltgeltung erreichte das englisch Common Law in der Kolonialzeit, weil England damals als Weltmacht bestimmend war. In mehreren Ländern überdauerte das englische Common Law die Kolonialzeit und blieb Bestandteil der Rechtsordnung.