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„Das amerikanische Recht gehört zur Familie des common law. Die Wurzeln liegen im englischen Recht“ (Peter Hay, US-Amerikanisches Recht, 2005 S. 1 ff.). Dabei entstanden zwei verschiedene Richtungen im Recht: law und equiti. Durch die common law-Gerichte entwickelte sich die „law“ Rechtsprechung. Von den common-Rechtshilfen (Rechtsbehelfe) kam es zum „equiti“ Recht (Billigkeit), gleichsam wie ein zusätzlicher, außerordentlicher Rechtsbehelf. (Von den equiti-Grundsätzen hier einige Auswirkungen in den USA: Niemand soll sein Ziel auf Kosten anderer erstreben. Wer den Nutzen hat, soll auch die Lasten tragen. Gegen jede Rechtsverletzung steht der Rechtsweg offen. Niemand ist verantwortlich für höhere Gewalt. Kleinigkeiten sind nicht Sache des Gerichts. Überflüssiges schadet nicht: (Superfluity does not vitate).

Rezeption des englischen Rechts in den USA:

Das englische Recht wirkte nach der Unabhängigkeit (1778) in den meisten Bundesstaaten als amerikanisches Rechtssystem weiter. Der Einfluss wurde im 19.Jahrhundert noch vermehrt. Dennoch kam es zu Veränderungen und Variationen. Auch jetzt sind das Rechtsdenken, die Rechtssprache und die Hauptrichtungen des Privatrechts immer noch „englisch“. Rechtsgeschichtlich sind das englische und das amerikanische Recht eine Rechtsfamilie: das ist so geblieben, auch mit jeweiligen eigenen Veränderungen. Der zutreffende Gebrauch von Basis-Begriffen sollte immer wieder bedacht werden: Die Begriffe common law und case law werden synonym (sinnverwandt) gebraucht: So bezeichnet man mit „common law“ das Richterrecht und stellt es dem gesetzten Recht (statutory law) gegenüber. „case law“ ist die Bezeichnung für Fallrecht, dazu ist common law dann das ursprüngliche Richterrecht der common law courts oder Richterrecht überhaupt. Für das ganze anglo-amerikanische Rechtssystem gibt es auch die Bezeichnung common law als Gegenüberstellung zum kontinentaleuropäischen civil law.

Merkmale des US-amerikanischen Rechts:
In der amerikanischen Verfassung von 1787 gibt es die Richtung der weitreichenden Selbständigkeit der einzelnen Bundesstaaten.

# Grundsatz: Die Einzelstaaten haben eigene Gesetze in Übereinstimmung mit der Verfassung und mit Bundesrecht.
# Für HGB, AktG, GmbH gibt es kein bundeseinheitliche Recht wie in Deutschland,
jedoch Bundesgesetze zum Kapitalmarktrecht (Securities Act, Securities Exchange Act).
# quasi-gesetzliche wirken Regeln und Verlautbarungen von Verwaltungsorganen wie Börsenaufsichtsbehörde.
# Zusammenfassend: Kennzeichen des US-Rechts ist Fallbezogenheit (Case law),
Prinzipien werden aus Einzelfällen abgeleitet
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