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RECHTSQUELLEN

Gesetztes Recht
, Gesetzesrecht des Bundes und der Einzelstaaten

Zuerst gründete das amerikanische Rechtssystem auf dem Fallrecht, auf dem Richterrecht. Das gesetzte Recht wurde erst mehr Ende des 19. Jahrhunderts (Wirtschaftsgesetzgebung, Sozialgesetzgebung!). Das common law und die Gerichte werden Anfang des 20.Jahrhunderts zurückgedrängt durch gesetztes Recht und durch Regulierung bei Verwaltungsbehörden. Durch diese Entwicklung besteht jetzt das amerikanische Rechtssystem aus „Fallrecht“ und gesetztem Recht. So entstand ein gemischtes System mit Betonung der fallrechtlichen Richtung. Viele Bereiche, vor allem in der Wirtschaft, werden durch Einzelgesetze geregelt Eine Systematik wie in mancher kontinetaleuropäischen Rechtsordnung entstand dadurch nicht.
Nach der Verfassung (Constituion, Supremacy Clause 6. Art.) geht es so mit der Gesetzgebungskompetenz: Dem Recht der Einzelstaaten geht Bundesrecht vor in der verfassungsmäßigen Zuständigkeit (Verfassung; Bundesgesetze; Staatsverträge; bindendes verfassungsrechtliches Fallrecht des obersten Bundesgerichts). Zum Bestand des einzelstaatlichen Gesetzesrechts gehört die einzelstaatlich Verfassung, die einzelstaatlichen Gesetze und die Rechtsverordnungen (ordinance) der Gemeinden und der Städte. Die Einzelstaaten haben eine eigene Rechtsordnung mit möglichen Unterschieden im Gesetzesrecht und im Fallrecht zu anderen Einzelstaaten. Uniform Laws sind Möglichkeiten die Verschiedenheiten in vielen Rechtsgebieten zu überbrücken. Die Erfolge sind nicht einheitlich, da es Vorschläge zur Annahme bei den Einzelstaaten sind. Die Rechtsgültigkeit von Uniform Laws hängt von der Annahme als einzelstaatliche Gesetze ab.

Kann es Bedenken geben bei den Vereinigten Staaten von Amerika mit der Bezeichnung „US-amerikanisches Recht“? Es trifft doch zu, dass es neben dem Bund bei jedem der 50 Bundesstaaten einen eigenen Jurisdiktionsbereich gibt. Die Vielfalt im Common Law bedeutet auch eine Vielfalt von Privatrechtsordnungen. So entsteht eine Vervielfältigung des geltenden materiellen Rechts - wo es keine Rechtsvereinheitlichung durch Uniform Laws und keine bundesrechtliche Regelung gibt. Das erschwert die Bearbeitung grenzüberschreitender Sachverhalte.
(Dieter Blumenwitz, Einführung in das angloamerikanische Recht, 2003, S 5 ff).

Warum ist amerikanisches Recht in breitem Ausmaß Richterrecht, Fallrecht - immer noch? Zugleich werden schon lange erfolgreiche Erfahrungen beim Gesetzesrecht gemacht. Mit dem Gesetzesrecht kam man im kontinental-europäischen Rechtskreis zu der Erkenntnis und der Überzeugung von mehr Rechtssicherheit und mehr Einfachheit in der Rechtskenntnis und in der Anwendung. Es gibt diese und manche andere Begründungen für das Fallrecht und für das Richterrecht: 1. Gesetzgeber oder Gelehrte sollen keinen Vorrang haben. 2. Beim Fallrecht und Richterrecht soll es sich um eine Methode der Rechtsfindung handeln für die sachgerechte Entscheidung des Einzelfalles.