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Amerikanisches RichterrechtFür ein fallrechtlichen System gilt dieser Leitsatz: An die Rechtsgrundsätze früherer Entscheidungen der Obergerichte sind die Untergerichte gebunden. Ein Präzedenzfall („precedent“) ist dies: Eine entschiedene Rechtsfrage wird maßgeblich für die Entscheidung in einem nachfolgenden Fall. Stare-Decisis-Doktrin oder Lehre der „stare decisis“: Diese Kurzform „stare decisis“ kommt vom dem lateinischen Rechtssatz: „stare decisis et non qieta movere“, engl.: „to stand firmly by things that have been decided“. Dafür gibt es auch die Bezeichnung „doctrine of precedents“.

Ein überwiegend fallrechtliches System ist auch das amerikanische Rechtssystem: Bezüglich des einzelnstaatlichen Rechts sind die unteren einzelstaatlichen Gerichte an die Entscheidungen der Berufungsgerichte und des einzelstaatlichen Supreme Court gebunden und außerdem bezüglich der bundesrechtlichen Fragen an die Entscheidungen der Bundesgerichte und vor allem an die Entscheidungen des Bundes-Supreme Court. In bundesrechtlichen Fragen sind für die Bundesgerichte maßgebend die Entscheidungen der übergeordneten Bundesgerichte, in Fragen einzelstaatlichen Rechts sind maßgebend die Entscheidungen der betreffenden einzelstaatlichen Gerichte. – Von dem eigenem Präjudiz abweichen - also aufheben (overrule) - dies kann das höchste Gericht und damit neues Recht schaffen. Für Entscheidungen, die schon rechtskräftig sind (res judicata), gibt es dadurch keine Rückwirkung.

Muss die Verteidigung für ein günstiges Präjudiz eine Gleichheit der Sachverhalte finden? Aber wo gibt es eine Gleichheit der Sachverhalte? Statt eines gleichen Sachverhalts sucht der Anwalt in passenden Sachverhalten ein günstiges Präjudiz. Kaum ein Fall hat einen Sachverhalt wie ein anderer Fall. Wenn sich bei der Suche ein ungünstiges Präjudiz ergibt, wird es der Anwalt bei Gericht als “völlig anders gelagert“ darbieten (to distinguish). Damit kann die rechtliche Darlegung überwiegend Sachverhaltsanalyse werden. Durch die differenzierte Erarbeitung bei neu dargestellten Sachverhalten können frühere Präjudize überholt (overrule) werden. Daraus kann sich Rechtsfortbildung ergeben. Im amerikanischen Rechtssystem gibt es Fortentwicklung des Rechts durch das Wirken von Gesetzgebung und Rechtsprechung. Bei einer Gesetzesvorschrift ist die Rechsprechung dazu bindend als Präjudiz für die Untergerichte bei späteren Entscheidungen.

Auffinden der Präjudizien Common Law-Rechtsgebiete:
Einschlägige Präjudizien auffinden: Geschieht das in einem speziellen fallrechtlichen Vorgang? Präjudizien zu finden, wird so möglich: Durch die Veröffentlichung der meisten Entscheidungen amerikanischer Bundesgerichte, der Supreme Courts der Einzelstaaten; dazu kommen die drei Hauptsammlungen mit den Entscheidungen der Bundesgerichte. Auch die Einzelstaaten haben eigene Entscheidungssammlungen. Zuerst wird eine Enzyklopädie benutzt, z. B. Corpus Juris Secundum, ein vielbändiges Werk, um ein Präjudiz zu finden. Darin ist in alphabetischer Anordnung die Rechtsmaterie dargestellt und es sind für jeden Staat die zutreffenden Präjudizien enthalten. Datenbanken beim Computer sind dabei eine zeitsparende Hilfe. Ein als passend befundenes Präjudiz ist zu prüfen auf Weitergeltung und auf Variationen, das gehört zum erfolgreichen Bemühen um das Auffinden von Präjudizien.
Gesetzesrecht:
Auch beim Gesetzesrecht werden bestimmte gesetzliche Vorschriften durch fallrechtliche Entscheidungen kompetent ausgelegt. Hilfreich sind für fallrechtliche Präjudizien zu bundesrechtlichen und einzelstaatlichen Gesetzen: „Shepard’s Citations“, herausgegeben von der Frank Shepard Company; preiswerte Alternative: American Law Reports.