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Vielleicht waren Slawen immer Europäer. Römische Chronisten der Spätantike bezeichnen (um 500) die Slawen mit diesen Namen: Veneter, Sklavinen (nicht Sklavinnen!) und Anten. In die Donauprovinzen des Oströmischen Reiches kamen sie aus der Gegend zwischen Karpaten, unterer Donau und dem Schwarzen Meer. Der Name „Veneter“ ist vielleicht eine Verwechslung mit den germanischen Vandalen. „Veneter“ wurde zum Sammelnamen für die im 6. Jahrhundert noch unbekannten Slawen. Bei den Germanen hießen die Zugewanderten „Venden“ - nach dem skandinavischen Wort „ven“ = Freund. Den Namen „Slaven“ Gaben sie sich selbst. Im Slawischen heißt „slovo“ = Wort. Vielleicht bedeutet „Slaven“ für sie, dass sie mit Worten verständlich sprechen. Dagegen heißen die Germanen bei den Slawen „nemci“ (pl. von „nemec“, adj. „nemoi“), das bedeutet die Stummen. War damit gemeint, dass die Germanen statt Slawisch zu sprechen, lallen wie die Stummen? Entstanden ist die slawische Sprache vermutlich im Gebiet der Flüsse mittlere Weichsel, Bug und mittlerer Dnjepr. Für den Ursprung von einem früher einheitlichen slawischen Urvolk, gibt es keine historische Gewissheit, so wie auch bei anderen Völkern. Da kam einiges dort und damals zusammen und daraus wurden nach und nach die Slawen.
Die Gebiete Osteuropas und Mitteleuropas, der mittleren Donauraum (heutige Slowakei, Ungarn, Südmähren, Böhmen) wurden allmählich vom 5. und 6. Jahrhundert an von den Slawen besiedelt. Danach kam es zur Ausbreitung in Pannonien. Von dort gelangten sie bis Oberösterreich, Kärnten, Steiermark und Tirol. Über die Saale und Elbe hinaus kamen sie im 7. Jahrhundert in das heutige Ostdeutschland und in polnisches Gebiet. So haben sich Westslawen ausgebreitet. – Die europäische Heimat der Ostslawen entstand mit der Besiedlung der finno-ugrischen und baltischen Gebiete im Anschluss an die schon länger ansässigen slawischen Stämme im osteuropäischen Tiefland. Daraus wurde im 9. Jahrhundert das erste ostslawische Reich: die Kiewer Russ. Die Trennung der Ostslawen in Weißrussen, Russen und Ukrainer geschah im Spätmittelalter. Beginn der großrussischen Ausbreitung im 16. Jahrhundert und dann mehr und mehr im 19. und im 20. Jahrhundert bis zum Pazifik (Transsibirische Eisenbahn!). - Über die untere Donau nach Makedonien, bis nach Dalmatien, bis zum Peloponnes gelangten die heutigen Südslawen. Dabei besiedelten sie die Balkan-Halbinsel, die schon bevölkert war. Aus hinterkarpatischen Ländern sind Kroaten und Serben gekommen. Vom dem heutigen Ostdeutschland und aus Böhmen, Tschechien, auch Weißserbien genannt, wanderten serbische Stämme über die Donau. So kam es zur slawischen Besiedlung von Pannonien und Dalmatien. Nach Wanderungen, Eroberungen und Besiedlungen entstanden diese Völker, die jetzt die Südslawen sind: Bulgaren, Mazedonier, Serben, Kroaten, Bosniaken, Montenegriner, Slowenen. - Von Slawen wusste man mehr seit dem frühen Mittelalter. Serben, Sporen, Veneter, Anten (Ostslawen), Slovieni (Westslawen), so wurden sie früher genannt und bekannt.
Tradition: Die soziale Struktur war so gegliedert: Eine patriarchalische Familienordnung; die Ortsgemeinde (obschtina) wurde gebildet von den Einwohnern eines Ortes, von der Sippe durch Blutsverwandtschaft (rod). Die slawischen Bezeichnungen (in Klammern) von damals werden auch heute noch gebraucht und verstanden. Der Stamm (pleme) bildete sich aus mehreren Sippen. Das Volk (narod) entstand durch Vereinigung der Stämme. Katholisch wurden ganze slawische Völker durch die frühere Verbindung zu Westrom (Polen, Tschechen, Slowaken, Kroaten, Slowenen); so kam es auch zum Schrifttum im lateinischen Alphabet. Prawoslawische (orthodoxe) Patriarchatskirchen entstanden für ganze slawische Länder durch den Einfluss Ostroms (Byzanz): Bulgarien, Russland, Serbien, Ukraine, Weißrussland und dazu kyrillisches Schrifttum (aus lat. und griech. Alphabet entstanden).
Vielleicht ist hier eine Tür geöffnet in die Welt der slawischen Europäer. Im gemeinsamen Haus Europa werden uns noch viele Türen und noch viele Wege des Lernens zueinander führen.