Textversion

Suchen nach:

Über Germanen reichen historische Informationen bis zum 2. Jahrtausend v. Chr. Bei antiken Schriftsteller aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. wird schon genauer über Germanen berichtet. Den Namen „Germanen“ hat Julius Caesar in seinem Buch „De bello gallico“ (Der gallische Krieg, 51 v. Chr.) publiziert. „Germania“ von Tacitus um 98 n. Chr. (Original: „De origine et situ Germanorum“ = Über den Ursprung und Lebensraum der Germanen) ist bis heute ein bedeutsames Werk. Aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. gibt es für verschiedene Stämme in Nord- und Mitteleuropa den Sammelnamen Germanen von römischen Autoren. Bei den Stämmen selbst gab es noch keinen gemeinsamen Namen, weil ihnen anscheinend die Zusammengehörigkeit noch nicht bewusst war. Ingwäonen, Herminonen und Istwäonen – waren drei Stammesgruppen, so heißt es in römischen Berichten. In einer späteren Einteilung wurden daraus: Nordsee-Germanen, Elb-Germanen und Weser-Germanen.

Der Namen „Germanen“ kommt wahrscheinlich von einem keltisches Wort mit der Bedeutung „Nachbar“. Vermutlich wurde damit ein Nachbarstamm („Tonger“) bezeichnet. Irgendwann ist daraus die Bezeichnung für alle Germanen geworden, vor allem bei den Römern. Historisch bedeutsame und immer noch bekannte germanische Stämme bildeten sich in den ersten Jahrhunderten nach Christus (u.a. Goten, Sachsen, Langobarden, Franken, Markomannen, Alemannen). Das weströmische Reich wurde von den Germanen mehr und mehr bedroht und 476 überwältigt. Von den damals hervorgegangenen germanischen Reichen überdauerte nur das Frankenreich. Die Ausbreitung des Frankenvolkes auf gallisch-römischen Boden hatte bleibende weltgeschichtliche Auswirkungen. Die Nordgermanen (Normannen – Wikinger, Waräger) werden geschichtliche bedeutsam seit dem 8. Jahrhundert: an den Küsten der Weltmeere von Labrador bis Byzanz. Die Normannen wirkten staatspolitisch in Russland, in Unteritalien, in Westfrankreich, Island und auch in England (bereits germanisiert im 5. und 6. Jahrhundert von den Angeln und Sachsen).

Eine gemeingermanische Sprache soll sich aus dem Vergleich der Einzelsprachen ergeben (Gotisch, Althochdeutsch, Altnordisch, Altenglisch). Daraus entstand die Annahme, dass diese Sprache vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr. gesprochen wurde. Weiterhin wird angenommen, dass zu dieser Zeit die Spracheinheit sich schon auflöste. Die germanische Sprache soll bis dahin schon eine 1600- jährige geschichtliche Entwicklung haben. Zu dieser Gesamtsicht in die Vergangenheit hinein gibt es nur wenig Detailwissen.
Die damalige Weltgeschichte in Europa wurde von den Goten mitgestaltet: Hunnen um 375, unter Ostgotenkönig Theoderich entstand etwa 490 ein ostgotisches Reich in Italien; Rom wurde von dem Goten Alarich I. erobert. Die wirkungsvollste und umfassende Reichbildung des frühen Mittelalters war das Frankenreich der Romanen und Germanen (seit etwa 500 bis hin zur Kaiserkrönung Karls d. Gr. 800.) Sind das erste Spuren zur Einheit Europas: die Idee des Großreiches als Erbe vom Römischen Reich? Gibt es dabei einen Zusammenhang, dass die Nachkommen der Germanen mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Mittelalter motiviert wurden von der alten Großreichsidee? War das dann auch ein anhaltend leidvoller Weg zur Einheit Europas? - Die Donaumonarchie Habsburgs hat ohne germanische Vorherrschaft und ohne Pangermanismus Nachkommen der Slawen, Romanen und Germanen zu einem Staat vereint, in dem die Menschen - trotz damals beinahe allseitigen Nationalismus und Chauvinismus - zwar unvollkommen, aber schon mehr Europäer sein konnten.