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Leider gibt es noch viel sprachliche Armut. Bei breiten Volksschichten lernen viele die Sprache nur so, dass es ausreicht für die notwendige alltägliche Verständigung in der Familie, bei der Arbeit und in der Öffentlichkeit. Schon für den ganzen Wortschatz und für manche Formulierungen in der Zeitung sind viele sprachlich überfordert. Für den Reichtum der Sprache haben alle die Begabung, die Lernfähigkeit, die Lernbereitschaft und die Lernfreude. Mit einem Grundwortschatz von etwa 1000 Basis-Wörtern und mit einigen Grundformen der Grammatik kann man sich in einer Sprache verständigen. Aber was ist der Reichtum der Sprache?

Zum Reichtum der Sprache gehören Tausende Wörter, in manchen Sprachen Hunderttausende. Die Grammatik kann auf wenigen Seiten oder in einem dicken Buch enthalten sein. Dieser Reichtum der Sprache entfaltet sich aus (mehr oder weniger) fünfzig Lauten in Tausenden oder Hunderttausenden Wörtern, in allen grammatischen Formen, in den Millionen Büchern der Bibliotheken – aus (mehr oder weniger) fünfzig Lauten. Alle Wörter der Welt, alle gesprochenen Sätze, alle einfachen Gespräche, alle langen Reden, alle wissenschaftliche Vorträge bestehen aus (mehr oder weniger) fünfzig Lauten, je nach Sprache. Wenn Menschen das erfunden hätten, müsste es dafür wohl die Anerkennung geben, dass dies eine hochintelligente Erfindung, die intelligenteste Erfindung ist. Alles andere von der Intelligenz der Menschen und zu allen Zeiten und überall wird realisiert mit mehr oder weniger fünfzig Lauten der Sprache. Mit (mehr oder weniger) fünfzig Lauten der Sprache wurden in der Vergangenheit viele Tausende Sprachen gesprochen - gegenwärtig, so sagt man sind es noch über 6000 Sprachen.

„Das Wunder der Sprache“, so heißt ein anerkanntes und bekanntes Buch von Walter Porzig. Schon im Vorwort zur ersten Auflage heißt es bei Porzig, dass Sprachwissenschaft die Grundswissenschaft für alle Geisteswissenschaft ist, wie Mathematik die Grundwissenschaft für die Naturwissenschaft ist. In der alten Geschichte hätte man das „Wunder der Sprache“ mythologisch begründet. Bis ins 19. Jahrhundert wurde einiges in der Sprachgeschichte mit Bibeltheologie gedeutet. Andere haben auch das mythologisiert. Darf man mitten hinein in die erfolgreichen wissenschaftlichen Bemühungen um die Entwicklung und Ausbreitung der Sprachen so fragen: Ist das ein Wunder von großer Intelligenz und großem Können, dass es so viel geistigen Reichtum, so viel wissenschaftlichen Reichtum, so viel technischen Reichtum, so viel literarischen Reichtum und noch mehr durch die Sprache gibt mit (mit mehr oder weniger) fünfzig Lauten?

Das ist mehr als genial!
Was ist es dann? Himmlisch! Die Sprache ist Anteil der Menschen an der Intelligenz und dem Können des Himmels. Ist das wissenschaftlich? In der modernen Wissenschaft ist man schon längst bei der anderen Dimension angekommen. Damit und auch mit dem Wunder der Sprache können wir uns doch orientieren zur ganz großen Dimension, zum großen geistigen Reichtum der ganz großen Intelligenz und zu dem ganz großen Können des Himmels. – Seit wir im technischen Flutlicht kaum noch den Sternenhimmel sehen, haben wir als Ersatz die Stars der Berühmtheit im Vordergrund.

Tausende Sprachen können auch wie ein Sternenhimmel sein,
wo wir Orientierung finden zum geistigen Reichtum des großen Ursprungs.