Textversion

Suchen nach:

AKADEMISCH LERNEN - das erleben viele nach dem Lernen in der Schule. Bei uns gibt es jetzt mehr Studienchancen für mehr junge Menschen. Studium - ist das akademisches Lernen? Demnach sind Lehrer an der Universität die akademischen Lehrer. Die Veranstaltungen in den Hörsälen der Universität nennt man oft Vorlesungen. Für manche ist das der Hauptteil des akademischen Lehrens. „Akademie“, „akademisch“ hat bei uns einen guten Klang und eine anerkennende Wertschätzung. Als Akademiker bezeichnet man Gebildete, Gelehrte, Lehrende und Lernende an Universitäten und Hochschulen.

Akademie kommt vom griechischen „academaia“, so hieß die Lehrstätte, die Philosophenschule, die 387 v. Chr. Platon gründete. Der Ort der Lehrstätte war eine Anlage bei Athen, gewidmet dem Heroen AKADEMOS. Die Akademie Platos bestand nach ihm noch lange und wurde erst 529 n. Chr. von Kaiser Justinian aufgelöst. Die Bezeichnung Akademie wurde in der Neuzeit wieder bedeutsam für Gesellschaften zur Pflege der Dichtkunst (Florenz, Palermo) und der Philosophie und noch später für Sprachgesellschaften (Academie Francais!). Nationale Akademien entstanden seit 1700 (Preuß. Akademie der Wissenschaften; Leibniz!) nur für die Forschung - nicht für die Lehre. Seit dem 20. Jahrhundert gibt es Akademien, die vor allem der Weiterbildung dienen.
In dieser Kurzfassung ist viel enthalten von den Entwicklungen durch Jahrhunderte und vom fortgesetzten Wandel des Lehrens und des Lernens. Bis zu uns erhaltene Werke Platons sind Dialoge, also Dokumente des Lehrens und Lernens bei Platon und auch bei Sokrates. Das geistreiche Wort „Dialog“ ist ein Erbe der ursprünglichen „akademischen Lehre“ und des ursprünglichen „akademischen“ Lernens. Im Humanismus und in den späteren Akademien verwirklichten sich anscheinend das Suchen und die Sehnsucht nach dem Lehren und Lernen im Dialog. Selbst Akademien nur für die Forschung sind auf einer gehobenen Qualifikationsebene akademisches Lehren und Lernen im Dialog.

„Die Vorlesung“ so heißt die „Einführung in eine akademische Lehrform“ von Hans Jürgen Apel (1999, Böhlau; ISBN 3-412-03499-1). Das ist aktuelle Bildungsgeschichte, die schon lange mehr und mehr aktuell wurde - im 19. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert. Bis hinein ins 21. Jahrhundert ist das immer noch aktuell für unsere Bildung, für unser Lernen. So muss es nicht immer sein: die akademische Lehrform Vorlesung als überwiegende monologische Lehrform. Auch Vorlesungen können hilfreiche und geistreiche Dialoge sein, selbst wenn vorwiegend nur einer spricht. Diskussionen und Debatten sind nicht immer produktiver Ersatz für Vorlesungen und Vorträge. Auch Diskussionen, Debatten und sogar Unterhaltungen sind oft mehrstimmige Monologe mit wenigen Lernchancen.
Vortrag und Vorlesung sind auch akademisch begründete Lehrformen und Lernformen. Aber leider fehlt oft entweder die kritische Erfahrung oder die kritische Auseinandersetzung mit den Lernbarrieren bei Monologen. Lehren muss so gelernt und durchgeführt werden, dass auch Vorlesungen und Vorträge mehr dialogisch werden. Das kann und sollte wahrscheinlich mehr auch für die akademische Lehre gelernt werden.

Der geistreiche Dialog von der Akademie in der griechischen Antike könnte zur modernen Bereicherung der Lernfreude und des Lernerfolges beim akademischen Lehren und Lernen werden.