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Kann es sein, dass Bildung als Mühsal und sogar als Plage erlebt wird? Wir Alten wussten in unserer Kindheit und Jugendzeit nicht, dass es diese Frage geben kann und erst recht nicht, dass wir diese Frage überhaupt wagen dürften. Der Bildungsablauf und die Bildungsinstanzen waren gegen kritische Bildungsfragen mit einem unsichtbaren, aber wirksamen Schutzwall gesichert. Das Thema „Lebensfreude durch Bildung“ war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eher ein Ideal, ein menschenfreundlicher Traum von pädagogisch Suchenden. In den meisten vergangene Jahrhunderten und Jahrtausenden waren die Völker arm an Bildung und arm an Lebensfreude. Wahrscheinlich wird nach und nach der Zusammenhang zwischen Bildungsarmut und Armut an Lebensfreude mehr erkannt und anerkannt werden.
Mancher Lernende kann sich mit seiner Lernerfahrung kaum vorstellen, wie das geht „Lebensfreude durch Bildung“. Auch mancher frustrierte Lehrende grübelt vielleicht, wie es durch Lehren Lebensfreude geben könnte. Bildung geschieht doch zum großen Teil durch Lehren und Lernen. Deshalb kann man auch fragen, ob es bei der Lebensfreude durch Bildung einen Zusammenhang gibt mit dem Lehren und Lernen. Geraten wir damit in die Richtung einer „Spaß-Pädagogik“, wo beinahe alles Spaß machen soll und am Schluss wissen wir nicht, worum es beim Spaß geht. Bei Lebensfreude durch Bildung geht ist nicht um fortwährende Unterhaltung, sogar beim Lehren und Lernen.
Im geistigen Leben, also auch beim Lehren und Lernen, erfahren wir oft, wie viel große Intelligenz, wie viel großes Können in den Gaben und den Abläufen des Lebens, der Natur, des Weltalls und der Entwicklung erkennbar wird. Dieser großen Intelligenz, diesem großen Können immer wieder, beinahe immer und überall geistig zu begegnen, das ist doch die große Chance der Bildung bei uns Menschen. So wird vieles, beinahe alles immer wieder größer, viel größer, geistig größer. So erleben wir eine große geistige Wirklichkeit, zu der wir auch gehören, zu der wir alle gehören. Einer hat es vor zweitausend Jahren als gläubiger Mensch so gesagt: „Unsere Heimat ist im Himmel“. Ein moderner Bekenner könnte es für Gläubige und für alle Lernenden des modernen Wissens so sagen: „Beim Lernen, im geistigen Leben begegnen wir großer Intelligenz und großem Können als Ursprung, Entwicklung und Weiterbestehen, und daran haben wir Anteil mit unserem geistigen Leben, mit unserer Intelligenz, mit unserem Können“.
Dabei erleben wir als kleine Menschen immer wieder große Möglichkeiten für uns: Durch Bildung, im geistigen Leben kommen wir aus unserer kleinen Umwelt, aus unserem kleinen Alltag, aus der Begrenztheit unseres kleinen Lebens geistig zu den Weiten der Länder, der Meere, der Kontinente, zum riesigen Atomwerk unserer Sonne, zu den Milliarden Sonnen der Milliarden Galaxien in den Milliarden Lichtjahren, zu den Millionen Zellen in uns und in allem Leben, zu den Milliarden Atomen in uns und in allem. Das ist die Richtung der Lebensfreude durch Bildung. Und in dieser Richtung geht es immer weiter. Nach menschlichem Ermessen ist diese Richtung unendlich. So können wir durch Bildung diese Lebensfreude erfahren, dass wir über die Begrenztheit in dieser Welt hinaus auch zur großen Intelligenz und zum großen Können der ewigen Welt gehören.